|
WORKSHOP 1
NUTZUNG DES INTERNETS - INTEGRATION UND VERNETZUNG VON NGOS
Internet
& Dritter Sektor - Szenen zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Franz
Nahrada begrüßte die Workshop-Referenten und -Gäste zur Vernetzung
und wünschte sich, durch das gemeinsame Gespräch Kooperation als Ressource
des NGO-Sektors im Sinne von Arbeitsteilung großflächig zu erkennen.
Die Leitfrage: "Wie können wir unsere verschiedenen Ressourcen füreinander
nutzbar machen und dadurch unsere Effektivität verbessern?"
Mike
Eisenriegler fragte grundsätzlich nach dem Sinn der gewünschten
Vernetzung.
"Vernetzen heißt nicht einfach, eine Email-Adresse zu haben, auch wenn
das für viele Organisationen natürlich ein großer Fortschritt ist. Vernetzung
ist es auch nicht, wenn man eine eigene Homepage hat, und auch dann nicht,
wenn man darauf eine Link-Sammlung von irgendwelchen anderen Organisationen
hat. Vielmehr muß ich bereit sein, in einen kommunikativen Prozeß einzutreten."
Gudrun
Gramberger, zur Zeit damit beschäftigt, mittels "ÖKOWEB" (http://www.oedat.at)
die Internet-Zukunft des Ökologiebereichs in den Griff zu bekommen, sucht
nach Partnern und Kooperationen im Rahmen dieses EU-Projekts - "wobei
NGOs mehr als willkommen sind!"
Nach dem Motto "Mitmachen bedeutet Mitnaschen" möchte OEDAT den NGOs dabei
helfen, EU-Förderungen zu bekommen und nationale und internationale Partner
zu finden.
Gerhard
Satke, SOS-Kinderdorf International (http://www.sos-kd.org): "Bei
einer derart großen internationalen Organisation wie SOS-Kinderdorf ist
es natürlich vernünftig, daß die einzelnen, nationalen Teilorganisationen
auf einer Intranet-Ebene miteinander vernetzt werden, damit das Rad in
den verschiedenen Ländern nicht jedesmal neu erfunden werden muß." Auf
der Internet-Ebene präsentiert sich das Netzwerk SOS-Kinderdorf als eine
einzige Organisation mit vielfältigen Programmen.
Erich
Moechel, Quintessenz (http://www.quintessenz.at) beschrieb das Internet
als Medium für die Civil Society, als ein "gesellschaftliches Frühwarnsystem".
Obwohl relativ klein und verstreut, sind die Mitglieder der User-Community
Quintessenz eine "recht schlagkräftige Truppe", die seit 1994 im Netz
ist. Ihr bislang größtes Projekt war die Aufdeckung des Europäischen Generalabhör-Abkommens
Enfopol. "Und die Internet-Technik ermöglicht uns dabei ein "near on Echtzeit-Teamwork".
Karin
Gruber und Christiane Zeller, Sunwork, stellten das GEA-Net
(Girls & Ecology & Action) (http://www.bbjnet.it/gea) vor, ein NGO-Vernetzungsprojekt
für Mädchenprojekte im Umweltbereich.
Dabei soll ein konkreter Austausch von didaktischen Materialien, Projektinformationen
und Fördermöglichkeiten stattfinden, daneben aber auch die traditionellen
Medien, reale Treffen und Fortbildungsveranstaltungen eingebunden werden.
Im
Rahmen der folgenden lebhaften Diskussion wurden die verschiedensten
Aspekte des Internets aufgegriffen: -
"Den Inhalt des Internets zu zeigen, schaffen wir am besten, wenn die,
die schon drinnen sind, jene, die noch nicht dabei sind, informieren!
- aus diesem Grund unterstützt die Europäische Kommission auch die Internet-Fiesta."
-
Franz Nahrada
verwies auf das Problemfeld: "Wir haben einerseits den Begriff 'global
village', auf der anderen Seite sind aber nur ca. 1,8 Prozent der Weltbevölkerung
im Internet." Um eine gesellschaftliche Spaltung zu verhindern sind wiedereinmal
die NGOs gefragt. "Schauen wir uns um, wir sind hier eine Auslese von
ca. 40 Vereinen aus Zehntausenden in Österreich. Davon haben vielleicht
100, 200 oder 500 eine E-mail-Adresse."
-
"Viele Organisationen glauben, daß das Internet ihre grundsätzlichen
Kommunikationsprobleme löst. Diese liegen aber meist ganz woanders."
-
Ein Workshop-Teilnehmer gab zu bedenken, daß das oft gefallene Wort
Chaos im Zusammenhang mit dem Internet nicht paßt. "Das Wesen des Netzes
hat viel mit dem Funktionieren von NGOs gemeinsam. In beiden Bereichen
passieren sehr viele Dinge unbezahlt. Leute entschließen sich, unbezahlt
Arbeit in etwas zu stecken, an das sie glauben."
-
Bei der Vernetzungsdiskussion sollte berücksichtigt werden, daß sich
"Frauen und Mädchen kaum einfach hinsetzen und drauf los surfen. Sie tun
es vielmehr, wenn sie etwas Konkretes suchen."
-
Es wird als Problem, sogar als Gefahr gesehen, "daß man bald glaubt,
daß das was drinnen ist gleichbedeutend ist mit dem, was es gibt. Aber
es gibt da schon noch viel mehr!"
Franz
Nahrada erinnerte zum Abschluß daran, daß es weniger auf die Technologie
selbst ankommt, als vielmehr darauf, zu wissen was man damit erreichen
will, und auf das Wahrnehmen der Möglichkeiten zur Kooperation in der
Informationsgesellschaft.

|