WORKSHOP 2
INTERNET UND SOZIALE DIENSTE - NEUE ORGANISATIONSFORMEN ZUR LÖSUNG GESELLSCHAFTLICHER PROBLEME

Szenen zwischen Markt und Staat - Bestandsaufnahme von Problemen und Hoffnungen

 

Moderator Helmut Waldert eröffnete mit den Worten: "Wenn wir uns die Frage stellen, was denn die Gesellschaft zusammenhält, erkennen wir, daß NGOs, NPOs und soziale Vereine eine wesentliche Rolle dabei spielen." An dieser Stelle werde auch die Rolle des Internets bei der Kommunikation mit Verwaltungseinrichtungen immer wichtiger.

Dominique Bé, als Vertreter der Europäischen Kommission verwies auf die Bedeutung des Internets als ein neues Werkzeug, das verschiedene Personengruppen dabei unterstützen kann, in den gesellschaftlichen Prozeß einzutreten, bzw. darin zu bleiben. Schrittweise muß daher zuerst die Aufmerksamkeit auf die Thematik gelenkt und dann der öffentliche Zugang z.B. in Gemeinschaftszentren und Bibliotheken zum Internet forciert werden.
In diesem Zusammenhang interessiere die Europäische Kommission die Frage: "Wie können NGOs und ihre Zielgruppen verstärkt in die Informationsgesellschaft eingebunden werden?" Die Organisationen des Dritten Sektors sind daher aufgerufen, ihre Erwartungen und Anforderungen der Kommission mitzuteilen, die sie im Hinblick auf Beteiligung an und Erfolg in der Informationsgesellschaft für notwendig halten.

Peter Visvader, Geschäftsführer von i.b.o.network, startete vor einigen Jahren ein Projekt zur Vernetzung einzelner Homepages und Projekte von sozialen Initiativen, die "sehr isoliert und damit nur mit geringer Wirksamkeit in der Internet-Landschaft standen." Das Social Network Austria Online (http://social.network.at) bietet nun einen "interaktiven Marktplatz" im Nonprofit-Bereich sozialer Dienste.

Elisabeth Ziegler, Projekt Infonet Osttirol (http://www.osttirol.com/infonet), vernetzt seit 2 Jahren Bibliotheken und steht mittlerweile mitten in Belangen der aktiven Regionalentwicklung. "Es ist uns gelungen, auch 'Feinde' zu vernetzten, indem wir sie auf eine gemeinsame Plattform gebracht haben." Künftig muß aber duch gut funktionierende Beispiele, in Verbindung mit einem leichten Zugang mehr Vertrauen in das Medium geschaffen werden.

Gabriele Walter vom ESTA Bildungswerk (http://www.esta-bw.de) in Deutschland berichtete von ihren Erfahrungen mit "Problemgruppen des Arbeitsmarktes". Internet-Cafés für benachteiligte Jugendliche zeigten große Wirkung. Problematisch sei aber, daß solche Modellprojekte keine nachhaltige Finanzierungsmöglichkeit hätten. "Die Jugendlichen bekommen also nur für kurze Zeit Zugang zur Informationsgesellschaft."

Für Heinrich Hoffer vom Verein Altern & Kultur, der trotz Bekanntheit und hoher Qualität seine Aktivitäten mit Ende 1998 aus finanziellen Gründen einstellen mußte, wäre der Nutzen eines demokratischen, bürgerzentrierten Internets darin zu suchen, "daß man auch als normaler Mensch zu einer ungewerteten Information kommt. In der Welt der Intellektuellen, werde es schon ganz gut genutzt, im Bezug auf die gravierenden Informationsbedürfnisse breiter Bevölkerungsteile fehlt es aber an dem Wissen bzw. der Sensibilität dafür, daß es dieses Bedürfnis überhaupt gibt."

Manfred Schindler, Verband Wiener Volksbildung glaubt, daß Gesundheit, Bildung und Soziales die Themen der Zukunft im NPO/ NGO-Bereich sein werden. "Public Access" sei auch der Themenbereich, der in nächster Zeit den Internet-Schwerpunkt der VHS-Arbeit darstellen wird. Dabei reicht es aber nicht, öffentlichen Zugang bereitzustellen, sondern es muß sehr genau überlegt werden, "wie Personengruppen zum Medium hingeführt und wie sie betreut werden."

Heidi Dumreicher von Oikodrom "Forum für die nachhaltige Stadt", meint daß NPOs und NGOs im Zusammenhang mit dem Internet eine Rolle annehmen könnten, "die von vielen Seiten vernachlässigt wird. Ich glaube, daß wir content bieten könnten. Wir sind content-provider." Daher müsse auch von den sozialen Kosten die Rede sein, und von content-Kosten. "Für den Kauf von Gegenständen gibt es Finanzierungen, das andere muß immer irgendwie laufen."

 

Die anschließende Diskussion prägten folgende Thematiken::

  •   Das Medium Internet wird wie jedes andere Medium auch, dem Profit und dem Markt untergeordnet. Der Dritte Sektor als non-profit sei hier benachteiligt.
  •   Im Hinblick auf eine stärkere Partizipation der BürgerInnen habe das Internet "sicher seine Rolle, weil es schnell und billig ist, und weil grundsätzlich ein Mix an sozialen Schichten möglich wird."
    Der Schlüsselbegriff ist daher empowerment - als Bemächtigung der BürgerInnen. "Und dieses empowerment funktioniert nicht einfach als Ehrenamt und als Freiwilligenarbeit!"
  •   Eine Workshop-Teilnehmerin wollte wissen, ob von der EU Richtlinien zur Normierung des Internets bzw. zur Mindestversorgung der Bevölkerung mit Zugängen zu erwarten sind?
    Dominique Bé erläuterte, daß es nicht der Weg der Kommission sei, Direktiven zu erlassen. Sie will in erster Linie die Technologie zugänglich machen, und ein Katalysator von Ideen und Projekten sein. "Das wäre auch deshalb nicht zielführend, zumal NGOs ja per Definition unabhängige Organisationen sind und sich eng an Städten und Regionen orientieren - und so soll es auch bleiben!" Als ein Hauptproblem des NP-Sektors sieht Bé, daß die NPOs auf EU-Ebene nur schwach organisiert sind. "Das ist ein Problem, das die Organisationen zuerst selbst lösen müssen, bevor bessere Unterstützung von Brüssel erwartet werden kann!"

Der Moderator beendete den Workshop mit dem Aufruf an die TeilnehmerInnen, sich anhand der angesprochenen Thematiken, Probleme und Erfahrungen "in den beginnenden Diskussionsprozeß einzublenden!"

 

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